Das Gute bleibt, das Schlechte geht. Oder umgekehrt?

Ach wie schön war es in Südamerika! Hmmm… ja klar, es war schön. Aber auf meiner Reise sah ich auch sehr viel Armut, soziale Ungerechtigkeit, Gewalt und es gab Momente, da hätte ich alles gegeben um genau in diesem Moment zu Hause in meinen schützenden vier Wänden zu sitzen. Wieso vergesse ich die schlechten Momente? Wieso erinnere ich mich nur noch an die schönen Erlebnisse meiner Südamerikareise? Ist das mein Optimismus? Überwiegt das Fernfieber? Oder ist das Selbstschutz? Tut die Menschheit so schreckliche Dinge, dass wir automatisch dazu neigen, die meisten schlechten Erlebnisse zu vergessen und zu verdrängen?

Ob in São Tomé, Mexiko, Belize, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Thailand, Laos, Argentinien, Paraguay, Uruguay, Kolumbien, Ecuador oder in den Ländern Europas, ich erinnere mich immer nur an wunderschöne Sandstrände, nette Leute, schöne Landschaften, leckeres Essen, interessante Sehenswürdigkeiten und einzigartige Kulturen. Es gibt nur zwei Länder, deren Erinnerungen mir Gänsehaut verschaffen. Kambodscha und Guatemala.

Kambodscha: Ich verbrachte acht Stunden in einem Minibus, in dem der Fahrer und seine Gehilfen versuchten, uns durch die Klimaanlage mit Schlafgas (oder was es auch immer war) zu betäuben, uns auszurauben und irgendwo im nirgendwo umgeben von etlichen Minen aus dem Bus zu werfen. Ich sass im Bus, atmete tief ein und dachte „Ach Du meine Güte“. Panik! Ich fühlte mich wie gelähmt, wie in einem schlechten Traum, in dem man nicht weglaufen kann, weil die Beine versagen. Aber wie aus Reflex öffnete ich das Fenster, damit das Gas entweichen konnte und streckte den Kopf nach draussen um frische Luft einzuatmen. Einige meiner Sitznachbaren glaubten mir nicht und schliefen bald danach ein. Die US Amerikanerin, die eine Reihe vor mir sass, hielt mich für paranoid und meinte nur, dass die Kambodschaner solche Dinge nur machen, wenn man die Grenze von Thailand nach Kambodscha überquere. Kommentar überflüssig. Ich wurde unzählige Male von den Gehilfen des Fahrers aufgefordert das Fenster zu schliessen. Und das nicht gerade freundlich. Sie fluchten und tobten. Ich hatte Angst, grosse Angst. Aber nein, so schnell gab ich nicht auf, ich schloss das Fenster nicht. Ich sagte, mir sei übel und ich benötige unbedingt frische Luft. Es waren schliesslich Kambodschaner und keine Guatemalteken. Die Asiaten machen viel um ihr „Gesicht“ zu wahren. Ich dachte: „Wenn ich mich jetzt und hier ihren Anweisungen nicht widersetze, dann wache ich einige Stunden später auf, ohne Rucksack, ohne Pass, ohne Geld und ohne Orientierung. Dann sollen sie eben mit Waffen antanzen, aber so einfach lasse ich mich nicht beklauen“. Ich hatte Glück, sie hatten keine Waffen. Acht Stunden kamen mir noch nie so lang vor. Was für eine Erleichterung es war, als ich in Phnom Penh endlich aus dem Bus steigen konnte.

Guatemala: Ja, Guatemala ist ein wunderschönes Land. Aber ein Menschenleben? Das ist dort nicht einmal 10 Dollar wert. Täglich hört man von Vergewaltigungen, Mord und Totschlag und das nicht nur aus dem Fernsehen oder aus der Zeitung. In Guatemala bist Du mitten drin im Geschehen. Wenn Du Pech hast, sitzt Du im nächsten Bus, der überfallen wird, stehst vor einem Tor, vor dem einer erschossen werden soll oder wirst vom nächsten Polizisten vergewaltigt. Mir ist nie was passiert, ich hatte Glück. Aber keine Sekunde, die ich in diesem Land verbrachte, fühlte ich mich wohl. Ich bin mir noch nie so klein und hilflos vorgekommen, wie in diesem, von Gewalt geprägten Land. Von Kolumbien und Mexiko liest und hört man viel. Wieso von Guatemala nicht?!? Ich auf jedenfall war erleichtert, als ich mit beiden Beinen auf honduranischem Boden stand. Genau so erleichter, wie damals als ich in Phnom Penh aus dem Minibus stieg.

Wieso bleiben mir ausgerechnet diese beiden negativen Erlebnisse in Erinnerung? Wieso schiesst mir noch heute das Adrenalin durch den Körper, wenn ich in einem Bus sitze und die Klimaanlage eingeschaltet wird? Wieso möchte ich in jedes bereits bereiste Land zurückkehren nur nach Guatemala nicht?

Wieso sehen wir die Vergangenheit oft durch eine rosa Brille? Wieso aber manchmal doch nicht? Ich weiss es nicht.

Es regnet, es ist kalt, aber trotzdem habe ich gerade Spass daran, hier in der Schweiz zu sein, in den positiven Erinnerungen meiner Reise zu schwelgen und die schlechten auszublenden. Ich hoffe auch ihr könnt die schlechten Erfahrungen und Erlebnisse ausblenden und das Wochenende in vollen Zügen geniessen. Es lebe der Optimismus :-)!

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Spass und Sport im Jura, auf dem Uetliberg und in Thun

Ja, die Fahrradtour. Die war echt der Hammer! Da wir (Yvonne und ich) nur vier Tage Zeit hatten, entschieden wir uns, nicht wie von www.veloland.ch empfohlen die Tour in Basel zu starten, sondern direkt zum Ausgangspunkt der dritten Etappe nach Saignelégier zu fahren (per Bahn). Dort angekommen packten wir unsere Drahtesel und radelten los. Immer schön bergauf und bergab über St-Imier, La Chaux-de-Fond, Couvet, Fleurier, Sainte-Croix / Les Rasses nach Vallorbe. Die Landschaft war traumhaft, das Wetter war auf unserer Seite und am vierten Tag tat sogar der Hintern nicht mehr weh. Geplant war eigentlich, am letzten Tag von Vallorbe nach Nyon zu strampeln, aber Pläne sind ja schliesslich da, um geändert zu werden. Deshalb radelten wir nicht nach Nyon, sondern von Vallorbe über Yverdons-les-Bains, Estavayer-le-Lac direkt zurück nach Ins. 75 km, die uns irgendwie kürzer und gemütlicher vorkamen, als die jeweils rund 40 bis 50 km die wir pro Tag im Jura absolvierten. Ein Zuckerschlecken ist die Juraroute nicht, es geht immer schön auf- und abwärts. Es kam mir irgendwie vor wie auf dem Cuidad Perdida Trek in Kolumbien. Kaum war man oben, ging es wieder runter damit man von dort den nächsten Hügel in Angriff nehmen konnte. Aber etwas Bewegung schadet ja nie. Ach ja: Wild zelten war eigentlich unser Devise, aber irgendwie konnten wir den Duschen auf den Campingplätzen nie widerstehen. Zu unangenehm schien uns der Gedanke, völlig verschwitzt und stinkig in unsere Schlafsäcke zu steigen. Wir lieben das Einfache, aber ein bisschen Luxus darf trotzdem immer sein ;-).

In Ins angekommen, entledigte ich mich meiner verschwitzen Klamotten, stand unter die Dusche, packte erneut meine Sachen und fuhr noch am selben Abend für ein paar Tage nach Zürich. Das Wetter war traumhaft und die Freibäder überfüllt. Was jetzt? Irgendwie hatten wir (Philippe und ich) keine Lust, uns zwischen die bereits eng aneinander liegenden Badetücher zu quetschen. Was ist mit wandern bzw. spazieren? Wieso nicht?! Philippe wohnt zwar seit über acht Monate in Zürich, war aber im Gegensatz zu mir, noch nie auf dem Zürcher Hausberg. Also dann los! Es ist nicht gerade Top of Europe, aber bestimmt Top of Zürich. Und es war schön. Zugegeben, wir waren etwas faul (ich hatte immer noch Muskelkater vom Fahrradfahren) und liessen uns per Bahn auf den Uetliberg chauffieren. Von dort spazierten wir zur Felsenegg. Ein schöner Ort. So nah bei Zürich, aber doch so fern.

Das Wochenende war vorbei und ich verliess die Wirtschaftsmetropole der Schweiz. Nach einem kurzen Zwischenstopp im wunderschönen Berner Seeland (Nadine: das wunderschön geht an Dich :-)) zog es mich ins Berner Oberland. Nach Thun. Im Gegensatz zu anderen Städten hat Thun einen See, einen Fluss, Berge so weit das Auge reicht und ja, Thun gefällt mir. Sehr sogar. Vielleicht liegt es ja auch an den netten Leuten. Es war echt toll, meine drei Mexiko-Reisebegleiter wieder mal zu sehen. Einer davon, traf damals in Mexiko seine grosse Liebe und jetzt ist sie zu Besuch in der Schweiz. Ich fand es super mit Magda im Thuner Strandbad „Strämu“ zu liegen und umgeben von einem solch schönen Panorama über Mexiko und die Welt zu diskutieren. Wieder mal Spanisch zu sprechen, wieder mal den schönen, klaren mexikanischen Akzent zu hören. Was für eine Wohltat, nach den vielen argentinischen „Sch’s“ ;-). Ja und dann war da noch das Thuner Stadtfest. Das war echt der Hammer! Es hatte sooo abartig viele Leute, man konnte sich kaum von A nach B bewegen geschweige denn, jemanden per Mobiltelefon erreichen. Es schien, als wäre das ganze Swisscom-Netz zusammen gebrochen. Ich auf jedenfall konnte für einige Stunden niemanden mehr erreichen. Aber dafür traff ich halb Davos. Ja, denen gefällt es nämlich in Thun auch und einige davon haben sich in Thun niedergelassen. Lustig war’s!

In den vergangenen Wochen wurde ich oft gefragt, ob ich jetzt angekommen sei. Ja, das bin ich. Ich bin jetzt mit Leib und Seele zurück in der Schweiz. Jetzt gilt es, sich auf die Suche nach einem Job und einer neuen Wohnung zu machen. Bern wäre super, Zürich wäre gut und auch gegen das Ausland habe ich nichts. Ich bin gespannt, wo es mich hin verschlägt.

Ich wünsche Euch allen ein schönes, sonniges Wochenende! Der Sommer kommt!

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Zürich und München: nicht schöner als Bern, nur anders

Schon drei Wochen bin ich wieder zu Hause. Wie schnell die Zeit vergeht! Was ich so gemacht habe? Viel! Nachdem ich alle Freunde im Berner Seeland besucht hatte, machte ich mich auf den Weg nach Zürich.

Zürich ist uns Bernern irgendwie ein Dorn im Auge. Oder etwa nicht? Sage ich zum Beispiel, ich gehe nach Luzern, sagt jeder: „Ach wie schön!“ Sage ich aber, ich gehe nach Zürich, dann fragt jeder: „Was willst Du denn dort?“ Und dann Vorsicht! Deckung! Giftige Blicke schiessen mir entgegen. Richtig unheimlich. Mir kommt es manchmal vor, als wäre es ein Verrat am schönen Kanton Bern, wenn ich als Bernerin Zürich besuche. Aber wieso nur? Darf ich als Bernerin Zürich nicht schön finden? Wo, liebe Berner, liegt das Problem? Zürich ist nicht Bern und Bern ist nicht Zürich. Jede Stadt hat ihre Vor- wie auch ihre Nachteile. Jede ist einzigartig und besonders. Also hört doch auf, euch andauernd zu vergleichen und zu konkurrenzieren. Ich auf jedenfall finde beide Städte schön. Das soll hier mal gesagt sein. Punkt.

Trotz böser Blicke und Unverständnis meiner Mitmenschen machte ich mich auf den Weg nach Zürich um ein paar Leute zu besuchen. Ich war viel Kaffee trinken (in Zürich gibt es sehr viele schöne Cafés), schlenderte durch das Niederdorf, sonnte mich an der Limmat und sass zum ersten Mal in Frau Gerolds Garten. Ich fand es super, euch alle wieder zu sehen! Auf diesem Weg nochmals ein herzliches Dankeschön an das Hotel Anita und das Hotel Philippe. Es war super lieb, dass ich Euer Sofa in Anspruch nehmen durfte!

Wisst ihr was „Eitschbii“ ist? Nein?! Ich zuerst auch nicht. Ich stand eines späten Vormittags am Bellevue in Zürich und wollte gerade ins Tram einsteigen um Kaffeetrinken zu gehen, da kam eine Inderin auf mich zu und fragte ganz nervös: „Eitschbii, eitschbii …?“ Hä??!? Ich verstand nur Bahnhof … ahhh… eben Bahnhof. Besser gesagt Hauptbahnhof. HB eben und in englisch ausgesproche „Eitschbi“. Mir wäre beinahe das Tram davon gefahren, so lange brauchte ich, um zu verstehen, was die von mir wollte. Lag es daran, dass es noch Morgen war? Oder daran, dass ich Bernerin bin und manchmal etwas länger brauche oder lag es wohl eher am fehlenden Fragesatz? Keine Ahnung. Sachen gibt’s!

Kaum zu Hause, musste ich nach München. Sorry, nein, ich durfte nach München! Ich liebe München. Ich schrieb Yvonne (meinem Argentinien und Uruguay Reisegspändli) eine SMS und fragte sie, ob sie Lust habe mitzukommen. Spontan muss man sein ;-). Und schon sassen wir im Auto und fuhren Richtung Deutschland. Ja, Deutschland. Genau wie Zürich den Bernern ein Dorn im Auge ist, ist Deutschland den Schweizern ein Dorn im Auge. Mich würde mal interessieren, wieso eigentlich?! Aber egal, diese Diskussion würde hier zu weit führen. Übernachtet haben wir bei Moritz und Stella, zwei Münchner Studenten, die wohl eine der schönsten Wohnungen im Zentrum Münchens besitzen und gelegentlich eines ihrer Zimmer über airbnb.com vermieten. Echt weiter zu empfehlen! München war suuuper. Wir schlenderten am Marienplatz vorbei, stiegen auf den alten Peter (nur Yvonne, ich war anders beschäftigt), sassen im Englischen Garten, sonnten uns an der Isar und ich war zum ersten Mal im Münchner Hofbräuhaus, obschon ich zuvor bereits vier Mal in München war. Eine Tourifalle schlechthin, es gibt in München definitiv schönere Sehenswürdigkeiten und besseres Bier und Essen, aber irgendwie muss man das berühmteste Wirtshaus der Welt doch auch mal selber gesehen haben. Dienstag fuhren wir hin und schon war Freitag, Abreisetag. Wir kauften uns noch ein paar Münchner Spezialitäten und machten uns auf den Weg Richtung Schweiz. Eigentlich hatten wir vor in Bregenz einen kurzen Zwischenstop einzulegen um im Bodensee baden zu gehen, wir entschieden uns dann aber doch für Altenrhein. Ja, Altenrhein! Das liegt am Bodensee und hat sogar einen Flughafen. Einen schönen sogar ;-). Komisch, so alt bekannte Orte wieder zu besuchen. Ich bekam fast ein bisschen „Heimweh“ nach St. Gallen. Dem Ort, an dem ich ungefähr vier Jahre meines Lebens verbrachte.

Morgen geht es schon wieder weiter. Wohin? Mit dem Velo und dem Zelt durch den Kanton Jura. Rund 200 km in vier Tagen. Uch, jetzt muss ich wieder französisch sprechen … ob das gut geht, nach so viel spanisch. Man wird es sehen.

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Kulturschock und Jetlag im Berner Seeland

Ich bin zurück in meiner Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier war ich im Kindergarten, in der Primarschule, in der Sekundarschule und hier habe ich sogar meine KV-Lehre absolviert. Aber dann zog es mich weg. Ob Kanton Freiburg, Kanton St. Gallen, Kanton Schwyz, Kanton Appenzell Innerhoden, Kanton Luzern, Kanton Zug … ich war in vielen verschiedenen Regionen der Schweiz und in einigen Länder dieser Welt, nur war ich nie mehr für längere Zeit im Berner Seeland.

Aber jetzt bin ich wieder da. Mit dem Rucksack am Rücken stieg ich am Sonntag Nachmittag in Ins (Bahnstrecke Bern – Neuchâtel) aus dem Zug und fuhr mit dem Postauto bis nach Ins Dorf. Ein mulmiges Gefühl verbreitete sich in meiner Magengegend. Die Bank, das Restaurant Bären, das Restaurant Kreuz, die Metzgerei Hämmerli, die Käserei, das Gemeindehaus … alles war noch da. Alles war so sauber, so aufgeräumt, so still, so pünktlich, so genau, so korrekt, so so so … einfach so anders, als das, was ich in den letzten sieben Monaten gesehen habe und für mich „normal“ geworden war. Wo ist das Verkehrschaos, wo ist die Sirene, wo sind die trönenden Motorräder, wo sind die schwarzen Verkehrsabgaswolken, wo sind die lachenden Menschen, wo sind die besitzerlosen Hunde, wo sind die Bettler, wo ist die Strassenmusik? Kulturschock pur.

Als ich aus dem Postauto ausstieg wusste ich nicht, ob ich jetzt wirklich nach Hause gehen soll oder ob ich umkehren, an den nächsten Flughafen fahren und wieder weg fliegen soll. Erwartet hätte mich ja niemand. Diese letzten paar hundert Meter von der Postautohaltestelle bis zum Haus meiner Eltern war eine Tortur. Nein, nicht wegen meinen 23kg Gepäck am Rücken, die spürte ich in der Aufregung gar nicht mehr, sondern weil mich umgehend wieder das Fernfieber packte. Ich blieb ein paar Mal stehen, schaute zurück. Zurück auf die letzten unvergesslich schönen sieben Monate. Zurück nach Südamerika. Zurück nach Argentinien, Paraguay, Uruguay, Ecuador und Kolumbien. Zurück auf eine Zeit, die ab sofort zu Ende war. Aus meinen Kopfhörern ertönte: „… ja ich weiss, es war ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit .. du fehlst mir. Ja ich weiss es war ne geile Zeit, hey es tut mir leid, es ist vorbei…“! Juli im Juli und dazu nach der passende Song. Das gibt es ja gar nicht. Es lief mir kalt den Rücken runter und schon stand ich vor dem Haus meiner Eltern. Noch bevor ich auf die Klingel drücken konnte, entdeckte mich meine Mam durchs Fenster. Sie meinte zu meinem Vater: „He, die Sändlä ist zurück!“ (ja, sie nennen mich so, weil meine Schwester, als sie klein war, meinen Namen nicht richtig aussprechen konnte). Mein Vater zu ihr: „Muss ich mit Dir zum Arzt? Hast du Halluzinationen!? Pfff… die Überraschung gelang definitiv. Die beiden standen verdutzt auf der Treppe, schauten mich an, als sei ich ein Geist und fragten mich nur: „Was machst den Du da? Bist Du nicht in Miami?“ Hahaha… „Nein, ich bin offensichtlich nicht in Miami, ich bin hier.“

Nach dem ganzen Begrüssungsprozedere stellte ich wie gewohnt meinen Rucksack neben mein Bett, begrüsste meine Tante und meinen Onkel, die neben meinen Eltern wohnen und machte mich auf den Weg zu Nadine. Ich setzte mich nach sieben Monaten wieder mal in meinen Fiat 500. Wuuuaaahhh… so schön, so sauber, so glänzend, so neu … ich glaube ich freute mich mehr über meinen Mobilenuntersatz, als damals, als ich das kleine weisse Ding erworben hatte. Ich fuhr an den Geburtstagsapéro. Schön war es, alle wieder zu sehen, aber gleichzeitig auch extrem komisch. Als wäre ich nie weg gewesen, sass ich in dieser Runde und hörte zu. Es hatte „neue“ Kinder, die ich noch nie gesehen hatte, die aber trotzdem bereits sechs Monate alt waren, überall wurde über die aktuellen Baupläne und über den neusten Klatsch und Tratsch diskutiert. Ich sass so da und wusste nicht wie mir geschah. Ich glaubte, ich sei im falschen Film. Ich kann es nicht beschreiben. Es war einfach wieder eine ganz andere Welt. Eine Welt, die mir so nah, aber in diesem Moment doch so fern war. Kulturschock eben.

Normalerweise packe ich nach einer Reise als erstes den Rucksack aus und wasche meine Kleider. Ich brachte es aber nicht übers Herz. Er stand am Dienstag Nachmittag immer noch unberührt neben meinem Bett. Einfach so, dass ich jederzeit hätte weiterreisen können. Denn ich bin noch nicht angekommen. Auch jetzt nicht, wo ich es endlich geschafft habe das Ding zu leeren und den Amazonasdreck aus meinen Kleidern zu waschen. Ich war bei Marä, meiner Schulfreundin, war mit Nadine Essen und an der Beachparty und habe auch bereits meine Geschenke in Thun bei Andreas abgeholt. Andy, vielen Dank nochmals, dass Du mein Übergepäck nach Hause geschleppt hast. Das war super lieb!!! Aber hier angekommen, das bin ich immer noch nicht. Täglich surfe ich auf skyscanner.com rum und suche nach einem Flug. Egal wohin, einfach weit weg. Ich glaube jobs.ch wäre angebrachter :-). Na ja, ich brauch wohl noch einen Moment um mich hier wieder zu Hause zu fühlen. Aber was ich nie wieder verlieren möchte, ist die Gelassenheit. Die Gelassenheit die Dinge so zu nehmen wie sie sind, das Beste daraus zu machen und dabei glücklich zu sein. Glücklich sein, das scheint mir, ist nicht des Schweizers Stärke. Seit ich in der Schweiz gelandet bin, sehe ich verdächtig viele grimmige und unglückliche Menschen. Aber wieso denn? Was fehlt euch? Ihr habt doch alles! Ich verstehe es nicht.

Ich glaube ich hätte da eine Geschäftsidee! Ich fange an Schweizer glücklich zu machen? Wie? Hmmm … in dem man sie für ein paar Tage oder Wochen irgendwo im Busch aussetzt. Natürlich ohne Pass und ohne Geld. Mal schauen wie glücklich sie sind, wenn sie endlich wieder nach Hause dürfen.

Es ist schon wieder morgens um halb drei und ich kann immer noch nicht schlafen. Ich bin top fit. Das mit dem Schlafen ist eben so eine Sache. Ich kann nicht schlafen, wenn Schlafenszeit wäre und schlafe, wenn ich nicht schlafen sollte. Jetlag nennt man sowas auch. Na, dann gute Nacht. Nächste Woche geht es nach Zürich. Treffe alte Freunde und es gibt ein Argentinien Revival. Anita, ich hoffe du hast den Fernet und die Cola bereits kaltgestellt?! Und vergiss die Strohhalme nicht ;-)!

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Hola Suiza! Que tal? – Hallo Schweiz! Wie geht es Dir?

Puuuhhh! Überraschung!!! Ich bin wieder da! Was? Wo? Ja, in der Schweiz! Nein, kein Witz! Das Fernfieber ist noch da, aber das Geld ist weg. Also musste ich mich wohl oder übel auf den nach Hause weg machen. Nicht nur Du hast es nicht gewusst, dass ich nach Hause komme, niemand wusste es. Also mach mal halblang :-)!

Es war damals nach dem Cuidad Perdida Trek in Santa Marta (Kolumbien). Ich bekam wieder einmal eine Monatsabrechung meines Schweizer Kontos und dazu noch eine Steuerrechnung per E-Mail zugesandt. Danke Päpu, so genau wollte ich es dann doch nicht wissen ;-)! Ich hatte also die Qual der Wahl – entweder mit reduziertem Budget noch zwei drei Monate weiterreisen oder zurückkehren, den Sommer geniessen und in Ruhe einen neuen Job suchen. Ich kann euch sagen, die Entscheidung viel mir nicht leicht. Immer und immer wieder prüfte ich die Flüge und als ich dann nach ein paar Tagen einen Rückflug für nur 825 Schweizerfranken fand, da wusste ich – jetzt oder nie! Ich griff zu. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie nervös ich war, als ich meine Kreditkartendaten eintippte. Wuuahhh … meine Hände zitterten. War es Angst oder war es Vorfreude? Keine Ahnung, ich glaube eine Mischung aus beidem. Abartig sowas! Es geht einem durch March und Bein. Ich wusste nicht ob ich heulen oder lachen sollte?!?

Im Moment sitze ich noch auf San Andrés. Um 22.20 Uhr geht mein Flieger nach Bogotá. Von dort geht es um 7.20 Uhr am nächsten Morgen direkt weiter nach Miami. Ja genau, deshalb fliege ich nach Miami ;-)!! In Miami habe ich einen Aufenthalt von knapp vier Stunden, dann geht es weiter über Düsseldorf nach Zürich. Am Samstag morgen um 10.00 Uhr Schweizerzeit sollte ich in Zürich landen. Eine lange Reise und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich gerade fühle. Ich habe Durchfall, mir ist schlecht – ich bin nervöser als nervös. Sowas hatte ich noch nie. Wuahhh… es schüttelt mich gerade. Ich freue mich sooo sehr euch alle wieder zu sehen, aber gleichzeitig weiss ich auch, dass wenn ich in Zürich landen werde, ich einen Kulturschock per Excellence haben werde. Sieben Monate Lateinamerika, sieben Monate Sommer, Sonne, Sonnenschein (fast immer auf jedenfall) … ufff… das wird hart! Aber auf etwas freue ich mich ganz besonders! Auf eine warme Dusche ohne Flip Flops :-)! So, jetzt mach ich mich mal auf den Weg zum Flughafen. Meine Beine sind wie Gummi und mein Herz rasst.

Adios Colombia mi amor, bienvenido Suiza mi vida! Ich bin gut gereist und gestern pünktlich in Zürich gelandet. Ein lustiges Empfangskomitee erwartete mich. Wer? Philippe, Davis und Gatsch (sorry, ich habe schon wieder deinen Vornamen vergessen, Silvan oder nicht?!). Da ich nicht wusste, ob meine Eltern zu Hause sein werden (habe keinen Hausschlüssel dabei), musste ich meinen besten Freund Philippe in meine Rückreisepläne einweihen. Er holte mich vom Flughafen ab und brachte gleich noch meinen alten Studienkollegen Davis und dessen Ex-WG-Mitbewohner mit, die direkt aus dem Nachtleben Zürichs an den Flughafen gefahren sind. Dementsprechen sahen die beiden auch aus. Übernächtigt und noch ziemlich betrunken liessen sie mich Willkommen heissen. Und sorry Steven, dich habe ich vergessen, Du warst ja auch noch dabei. Steven kannte ich gar nicht. Er ist ein Mitarbeiter der Swiss, der gerade von seiner Nachtschicht kam und von Davis und Gatsch beim Vorbeigehen spontan auf ein Bier eingeladen wurde. Lustige Truppe. Danke, dass ihr alle da wart! Es hat mich riesig gefreut!!!

Nachdem ich Philippe bei einem Glas Wein (oder waren es doch zwei?!) die Erlebnisse meiner Reise erläuterte, war es dann schon etwas zu spät um zu meinen Eltern nach Ins zu fahren. Ich übernachtete also in Zürich. Und jetzt sitze ich im Zug von Zürich nach Bern. Wie wird meine Familie reagieren? Was wird meine Freundin Nadine dazu sagen, wenn ich einfach an ihrem Geburtstagsapéro auftauche und ihr anstatt per Skype persönlich gratuliere? Nadine, ich hoffe du hast auch für mich ein Gläschen Wein parat ;-)! freue mich gerade sehr! Es kribbelt in meinem Bauch. Ich bin nervös.

Meine Reise ist vorbei, aber wie gesagt, das Fernfieber, das ist noch da. Deshalb werde ich diesen Blog nicht einfach „stilllegen“. Ich werde weiter berichten. Über was? Über mein Fernfieber, das mich tagtäglich dazu anspornt, neue Dinge und Orte zu entdecken. Man muss ja nicht immer gleich für mehrere Monate über den grossen Teich fliegen um das Fernfieber zu senken. Vielen, vielen, vielen herzlichen Dank, dass ihr so zahlreich mitgelesen habt! Es freut mich sehr.

Wollt ihr wissen, wie meine Familie und Freunde reagiert haben? Wie mich meine Heimat, das Berner Seeland begrüsst hat? Mein nächster Beitrag wird darüber berichten.

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Providencia: das Paradies auf Erden

Ganz gespannt setzte ich mich in San Andrés in den kleinen 19-Platz Flieger. Wie ist Providenica wohl? Ist es wirklich so schön, wie mir mein Spanischlehrer vor sechs Jahren in Panama erzählt hat? Aber wieso hat es nur rund 15’000 Touristen pro Jahr?

Bereits beim Landeanflug konnte ich das türkisblaue Wasser sehen. Wuuaahhh wie geil ist das denn! Mir fehlen die Worte um die Schönheit dieser Insel zu beschreiben. Ich habe noch nie in meinem Leben sowas Schönes gesehen. Providencia ist ein Traum, ein Paradies auf Erden. Unglaublich, dass es sowas gibt. Die Leute sind super nett, keiner zockt einem ab. Hat man gerade kein Wechselgeld, dann zahlt man eben weniger, aber bestimmt nicht mehr. Wo willst Du hin? Ah, ok, setzt dich hinten drauf, ich nehme dich mit. Du brauchst ein Mototaxi? Warte ich ruf rasch eines. Eine Cola? Nimm Dir eine, Du bist eingeladen? Die ganze Zeit, die ich hier verbracht hatte, ging es nur so. Ich kann alleine ins Meer schwimmen gehen, meine Tasche mit Kamera und Portemonnaie am Strand liegen lassen und sie ist noch da, wenn ich aus dem Wasser komme. Noch mal: Wie geil ist das denn!!!! Eigentlich sollte ich das hier gar nicht schreiben. Ich will, dass Providencia so bleibt wie es ist. Ich will nicht, dass mehr Touristen kommen. Ich will nicht, dass irgendwelche Hotelketten, die Insel und die Leute kaputt machen. Also wenn ich mal Flitterwochen machen sollte, dann bestimmt hier.

Den ersten Tag verbrachte ich am schönen weissen Sandstrand, den zweiten, dritten und vierten Tag war ich tauchen mit den Leuten von Felipe Diving. Coole Typen. Vielen Dank noch mals für alles. Jetzt darf sogar ich runter auf 30m. Nach sechs Jahren habe ich es endlich geschafft mein PADI Open Water Tauchbrevet, das ich damals in Panama absolviert hatte, um das PADI Advanced Tauchbrevet zu erweitern. Nachttauchgang, Tieftauchgang, Riffhaie, Schildkroten, Oktopus, usw. Es war einfach der Hammer. Ich habe noch nie eine so schöne Unterwasserwelt gesehen. Providencia hat das drittgrösste Riff der Welt und weil täglich nur eine handvoll Taucher da unten rumschwaddern sind alle Korallen noch ganz. Also, sollte ich nie heiraten, wäre das Tauchen ein Grund, Providencia nochmals zu besuchen. Ich bin sicher, liebes Providenica, wir sehen uns irgendwann mal wieder.

Heute bin ich dann zurück nach San Andrés geflogen. Leider. Nach meinem letzten Strandbesuch, packte ich meine Sachen und liess mich per Mototaxi (Motorrad) an den Flughafen chauffieren. Der halbe Flieger war voll von Leuten, die ich in den letzten sechs Tagen kennengelernt hatte. Kein Wunder, bei nur 5’000 Insulanern ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gross, dass man die Leute kennt. Ich verabschiedete mich von allen und musste versichern, dass ich in der Schweiz erzähle, wie schön ihr Providencia doch ist, und dass ich wieder mal zurückkomme. In San Andrés setzte ich mich ins Taxi und fuhr zurück zum Blue Almond Hostal zu Juan und Jennifer wo ich meinen 23kg Rucksack deponiert hatte. Fliegt man nämlich mit der Satena von San Andrés nach Providencia darf man nur 10kg Gepäck und 5kg Handgepäck einchecken. Und sogar die Leute werden gewogen (wie damals in Afrika von São Tomé nach Príncipe). Jeder musste auf die Wage stehen, dann wurde laut herausgebrüllt wie schwer man ist und weiter gings zur Boardingpass Herausgabestelle. Hahahahaha… einige etwas übergewichtige Touristinnen fanden das gar nicht lustig und beklagten sich über diese Massnahme. Aber naja, nur so wissen sie ob es Platz hat für allfälliges Übergepäck der Passagieren.

Heute Abend spät geht es schon wieder zurück nach Bogotá. Und dann? Wie geht meine Reise weiter? Ich verlasse Kolumbien, ich verlasse Südamerika und fliege am Freitagmorgen früh in die USA. Nach Miami. Ach echt, ich wollte doch meinen letzten Tag in Südamerika am Strand verbringen und jetzt regnet es wie aus Kübeln. Schade, aber das Wetter ist zum Glück nicht planbar.

Wieso Miami? Das erzähle ich euch später. Tschüss … bis zum nächsten Mal.

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Schlaflose Nächte im Amazonas – Teil 2

Nun gut, dann war es eben ein Feuerwerk. Widersprechen wollte ich nicht. Was hätte es gebracht? Ich wollte nicht den Glauben an die schöne heile Welt meiner Mitreisenden zerstören. Nach dem Morgenessen, wie kann man nur am morgen früh Rühreier und Wurst in sich reinstopfen, gings zur Dschungelwanderung.

Mit dem Boot fuhren wir flussabwärts, hüpften vom Boot und landeten im Schlamm. Da der Wasserstand des Amazonas vor ein paar Tagen noch einige Meter höher war, kein Witz, war das ganze Gebiet noch ziemlich nass und sumpfig. Also stampften wir mit den Gummistiefeln im Sumpf rum. Gewisse Leute stellten sich etwas ungestickt an und füllten ihre Stiefel mit Schlamm. Lustig war’s … nach drei Stunden ging es zurück. Der Holländer war wohl froh. Denn der musste zweimal kurz austreten. Der Arme bekam doch mitten im Sumpf Durchfall. Ich hätte nicht an seiner Stelle sein wollen. Der hat bestimmt den ganzen Hintern verstochen. Es wimmelte nämlich nur so von Moskitos.

Am Abend war Krokodiljagd angesagt. Ja richtig. Wir fuhren den Fluss entlang und der eine Einheimische zündete mit der Taschenlampe das Ufer ab. Kaum sah er zwei rot leuchtende Augen, fuhr das Boot auf die Augen zu und zack, hatte der schon ein Krokodil in den Händen. Das wurde dann festgehalten und von allen Touris fotografiert. Nicht ein riesen Ding, denn das wäre zu gefährlich gewesen. Nachdem er noch ein zwei mehr am Kragen gepackt hatte, ging es wieder zurück in die Lodge. Und uuuuhhhh… der Britisch-Kolumbianer hatte eine Tarantel im Zimmer und in der Küche verkroch sich eine giftige Schlange. Die Tarantel wurde dann mit einem Besen nach draussen verfrachtet und der Schlange wurde noch abgepasst, aber die zeigte sich nicht mehr. Einige Leute brachten kein Auge zu, aber ich stopfe mein Moskitonetz unter die Matratze und schlief besser als die Nacht zuvor. Lieber gefährliche Tiere im Haus, als gefährliche Menschen.

Am dritten Tag war dann schon wieder Aufbruchstimmung. Nach dem Mittagessen fuhren wir wieder Fluss aufwärts zurück nach Letitia. Als wir auf der brasilianischen Seite einen kurzen Stop einlegten und ich zusammen mit dem Fahrer auf dem Boot wartete, war gegenüber ein brasilianisches Militärschiff. Keine Ahnung was die dort machten, aber auf jedenfall sagte mir der Fahrer, ich soll nicht so hin glotzen, denn sonst könnten die sich provoziert fühlen. Hä?! Egal, ich schaute auf jedenfall weg, denn die Szene war mir eh nicht geheuer. Komische Boote, mit komischer Ware fuhren hin und wieder weg. Der Fahrer erzählte mir noch, dass die FARC sich nie nach Brasilien getraue, weil die brasilianische Armee eine der Stärksten weltweit sei. Sie gehen nach Peru und Venezuela, aber Brasilien, da haben sie Angst. FARC und Paramilitär ein leidiges Thema hier in Kolumbien. Gerade gestern wurden wieder ein paar Menschen erschossen. So einfach ist das Problem aber nicht zu lösen. Das geht nicht ruckzuck, das geht Jahre. Ich hoffe für dieses schöne Land, dass sich die drei Parteien mal versöhnen werden. Es gibt Familien in Kolumbien, da ist der eine Sohn Mitglied der FARC, der ander ist beim Paramilitär und der dritte im Militär und die erschiessen sich gegenseitig, wenn es sein muss. Abartig sowas.

Wir sind auf jedenfall gut nach Leticia zurückgekehrt. Der Britisch-Kolumbianer und ich hofften, dass der komische Brasilianer nicht mehr im Hostel rumschwirrt. Das ist auch eine Geschichte für sich. Der Typ, der war in meiner ersten Nacht in diesem Hostel in meinem Zimmer und ich fragte am nächsten Morgen ob ich das Zimmer tauschen kann, weil ich ehrlich gesagt Angst hatte vor dem Typ. Keine Ahnung wieso, aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl der lügt, wenn er nur den Mund aufmacht. Und so war es: in unserer Abwesenheit, stellte sich heraus, dass der Typ bereits seit fünf Monaten in Leticia sitzt und bis jetzt noch keine Nacht bezahlt hat (natürlich wechselt er die Hostels). Als der Schweiz Hostelbesitzer das erfahren hatte, schmiss er in hochkant raus. Der hängt einfach in diesem Ort, konsumiert rund um die Uhr Kokain und nimmt Touristen aus. Noch vor meinem Amazonastrip, kam der zu mir und fragte, ob ich ihm nicht Geld leihen könne. Aber ganz sicher nicht! Ich sagte ihm, ich hätte nichts da. Gut. Andere machten es und sahen ihr Geld nie wieder. So ein riesen Idiot wirklich. Auf jedenfall war der weg und ich war mehr als froh. Und der Britisch-Kolumbianer auch. Nachdem ich nämlich das Zimmer getauscht hatte, nach der ersten Nacht, kam ich zum Britisch-Kolumbianer ins Zimmer und er meinte nur, dass wir besser das Zimmer abschliessen sollten, der Brasilianer komme ihm ganz komisch vor. Ganz suspekte Leute, gibt es manchmal in diesen Unterkünften. Naja.

Am Tag danach flog ich wieder weg. Wohin? Hmmm… zurück auf die Insel. Ich konnte es nicht lassen. Ich wollte unbedingt Providencia sehen. Also buchte ich mir einen Flug von Leticia nach Bogotá und von Bogotá nach San Andrés und von San Andrés nach Providencia. Ich verabschiedete mich vom Britisch-Kolumbianer, der ein guter Freund geworden war und fuhr an den Flughafen und stellte mich bei der Check-in Schlange hinten an. Plötzlich kam ein Typ und drängte sich vor mir in die Schlange. Der fing an mir zu erzählen, dass das Flugzeug nicht rechtzeitig in Bogotá ankommen würde. Der schwitze so stark und war eigenartig, deshalb ignorierte ich ihn einfach und sagte nur, ich hätte Zeit, mir sei es egal, wenn wir Verspätung hätten. Nun gut. Dann war ich an der Reihe. Es hiess dann: „Sie haben keine Reservierung.“ Was nicht?!??? Aber sicher doch!! Nach langem insistieren, fand die Dame hinter dem Tresen dann doch noch meinen Reservation. Komisch. Aber egal. Ich dachte mir nichts dabei und ging direkt weiter zur Securitykontrolle. Ich sass also im Wartsaal. Leticia hat nur einen kleinen Flughafen und deshalb hat jedes Gate eine eigene Securitykontrolle und einen eigenen Wartesaal. Als die Reihen 15 bis 29 aufgerufen wurde, sah ich, dass sie einen Typen, der eine Boardingkarte hatte, nicht ins Flugzeug rein liessen. Der setzte sich dann neben mich und erzählte auch wieder, dass das Flugzeug nicht rechtzeitig in Bogotá sein werde. Der andere vom Check-in sah ich auch wieder und den liessen sie auch nicht rein. Also langsam aber sicher, fragte ich mich, was denn da los war. Da gehen ja eigenartige Dinge vor sich. Die beiden Typen haben nämlich bereits Gepäck eingecheckt für genau diesen Flug. Na gut. Was solls. Bin ja froh, wenn die nicht im Flieger sind. Ich nahm Platz in der Reihe Nummer 7, also weit vorne. Die Türe ging zu. Was macht denn das Flughafenpersonal im Flieger? Da waren zwei Typen, die hatten so gelbleuchtende Mäntelchen an und sahen aus, wie die, die das Gepäck ein- und ausladen. Noch bevor wir starteten, gingen die beiden nach vorne zu den Piloten und schlossen die Tür. Kurz vor dem Start kamen sie wieder raus und setzen sich zu den Stewardessen. Es hiess dann, dass man nur die eine Toilette vorne benützen dürfe. Die Typen standen nach dem Start auf und schauten die ganze Zeit, was wir Passagiere so trieben. Die Toilette wurde nach jedem Passagier, der sie benütze inspiziert. Die Stewardessen waren nervöser als nervös und die eine sah aus, als hätte sie eben noch geheult. Von den Piloten hörte man gar nichts. Sowas habe ich noch nie erlebt. Als ich das iPhone aus meinem Rucksack nehmen wollte, der unter dem Vordersitz lag, kam gleich einer der beiden Typen und schaute, was ich da raus nahm. Jetzt kam ich es aber mit der Angst zu tun. Was geht denn da ab?!!?? Auf dem Bildschirm war zudem ersichtlich, dass wir nicht direkt, wie beim Hinflug nach Bogotá fliegen, sondern irgendwie eine Kurve machten. Ist das eine Flugzeugentführung??? Oder sind die zwei Typen Sicherheitsleute, die eine Entführung verhindern sollten. Ich glaube, ich hatte noch nie so Angst in meinem Leben. Tief durchatmen und entspannen. Ich kann ja eh nichts machen. Ich kann weder weg rennen, noch kann ich sonst irgendwie fliehen. Ich bin gefangen in diesem Flieger. Da ich die zwei Typen die ganze Zeit anglotzte weil ich wissen wollte, was los war, glotzten sie mich an und beobachteten jede Bewegung die ich machte. Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich war, als wir in Bogotá landeten. Es war also zu meinem Glück keine Flugzeugentführung, aber es war bestimmt Sicherheitspersonal. Irgendwas war da geplant. Sonst wären diese komischen Typen nicht in Leticia geblieben mit samt ihrem Gepäck und die Stewardessen hätten nicht so nervös rumgezappelt.

Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich endlich wieder in San Andrés war. Endlich wieder Insel, endlich wieder Frieden. Eine Nacht verbrachte ich im selben Hostel wie zuvor mit Andreas, bevor ich dann am nächsten Tag nach Providencia flog. Der Hostelbesitzer freute sich, mich wieder zu sehen und fuhr mich gleich persönlich mit dem Motorrad an den Flughafen. So ich lasse euch Mal. Mehr zu Providencia, der schönen Karibikinsel mit den netten Leuten, dem Paradis auf Erden, gibt es im nächsten Beitrag.

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Schlaflose Nächte im Amazonas – Teil 1

Mein dreitätiger Amazonastrip begann. Rucksack packen, Gummistiefel schnappen und ab gings die Strasse runter zum Amazonas. Dort wurde ich, zusammen mit zwei Belgiern, zwei Holländern und einem Britisch-Kolumbianer aufs Boot verfrachtet. Ein unbequemes Ding. Aber wenigstens hatte es einen Motor. Vollbelanden mit Esswaren und Getränken für drei Tage, einem Fahrer und einem Reiseführer fuhren wir am ersten Tag rund vier Stunden auf dem Amazonas von Kolumbien über Brasilien bis nach Peru. Am Nachmittag erreichten wir unsere Dschungellodge. Ein einfaches, aber gemütliches Häuschen mit ein paar Zimmern, einer Dusche und einem WC, Hängematten und einer Küche. Nicht übel so mitten im Amazonas.

Kaum angekommen, die Zimmer bezogen, gab es schon Essen. Und wie! Die Familie, die dort lebt, hatte für unsere Gruppe gekocht. Mir kam es vor wie zu Hause bei meiner Mam. Wir waren acht Leute, aber das Essen hätte für eine halbe Armee gereicht. Aber wie heisst es so schön, lieber zu viel als zu wenig.

Mit vollen Bäuchen und dem Bikini gings anschliessend per Boot zum Baden. Wie?!? Ja! Baden mit Pirañas und Co. Echt, kein Witz! Ich habe mir ja fast in die Hosen gemacht. Die können einem innerhalb von Sekunden vernichten und da soll ich freiwillig reinspringen? Der Reiseführer meinte, neee, keine Angst, die machen nichts, die haben besseres zu Essen als dich. Nachdem der Reiseführer, ein Holländer und ein Belgier ins Wasser sprangen und nach zwei Minuten noch da waren, getraute ich mich auch endlich rein.

Uuuu… iiii… wuuuaahhh… abartig war das. Irgendwelche Viehcher schwammen um mich rum und streiften mich ständig, keine Ahnung was es war, sehen konnte man in dieser Brühe nichts. Es war einfach glitschig und wäähh… ich weiss auch nicht. Nicht nur mir ging es so auch der Holländerin. Wir kreischten vor uns hin. Ja und dann kam noch das Beste. Plötzlich fing so ein Vieh an, an mir rumzuknabbern. Jetzt kriegte ich es aber doch mit der Angst zu tun. Neee, keine Angst, meinte der Reiseführer. Das sind nur Fische, die dich putzen. D.h. die essen nur die Hautreste. Irgendwann hatte ich dann aber genug von den glitschigen, knappernden Viechern und kletterte zurück ins Boot, wie all die andern auch.

Weiter ging es zur Stelle, wo man die pinken Delfine beobachten und den Sonnenuntergang geniessen konnte. Ja, die Amazonasdelfine sind pink. Und den Sonnenuntergang … nun ja, den haben wir verpasst. Wieso? Hmmm… die Blasen waren so voll, dass wir noch vor Sonnenuntergang zurückkehren mussten. Als die ersten Bierchen auf dem Boot die Runde machten, hatte niemand daran gedacht, dass man im Amazonas nicht ins Wasser pinkeln darf (wenn man sich im Wasser befindet). Also dürfen tut man schon, aber jedem der mal im Amazonas schwimmen sollte, dem ist es wärmstens empfohlen nicht zu urinieren. Vorallem den männlichen Zeitgenossen nicht! Es gibt einen Fisch, der sich vom Urin angezogen fühlt und dann doch glatt, dem Strom entgegen ins Loch reinschwimmt, wo der Urin herkommt. Da dieser Fisch nicht mehr zurück schwimmen kann und man ihn auch nicht rausziehen kann, ist ein Schnitt notwenig um diesen wieder zu entfernen. Nicht ein kleiner Schnitt, nein, ein grosser. Die Jungs meinten zuerst, der Reiseführer mache einen Witz. Der meinte aber nur ganz ernst: Please, don’t pee in the water! Please, don’t pee in the water! 🙂

Zurück in der Lodge, gab es wieder einmal mehr eine Ladung Essen. Als wir noch gemütlich zusammen sassen und ein Bier tranken, meinte der Fahrer, er gehe mal schlafen. Der Britisch-Kolumbianer fragte ihn, wieso er denn auf dem Boot schlafe. Der meinte nur, es sei zu gefährlich das Boot in der Nacht alleine zu lassen, denn es wimmle nur so von Dieben und Drogenschmugglern. Er erzählte uns, das im Amazonasgebiet, vorallem auf der peruanischen Seite, sehr viel Koka angepflanzt werde und vor unserer Haustür vorbei geschmuggelt wird. Ja und für die vier „ich verstehe kein Spanisch“-Leute wurde es dann übersetzt mit: „Der Fahrer schläft gerne im Boot.“

Manchmal wäre es gar nicht so schlecht, wenn man kein Spanisch verstehen würde. Denn dann hätte ich keine schlaflose Nacht gehabt. Also einschlafen, das war kein Problem, aber als ich dann mitten in der Nacht von Maschinenpistolen-Schüssen aus dem Schlaf gerissen wurde, dachte ich nur: „Ach du Sch….., was geht denn hier ab“. Ich getraute mich auf jedenfall nicht mehr, mein Zimmer zu verlassen, bis es hell wurde. Als ich dann am morgen, dem englischsprechenden Reiseführer und dem Fahrer erzählte, ich hätte Maschinenpistolen-Schüsse gehört, meinte der Reiseführer nur, das sei bestimmt ein Feuerwerk gewesen und der Fahrer schaute mich nur an und sagte nichts.

Ja klar, ein Feuerwerk mitten im Amazonasdschungel. Ich glaube fast, da hatte ein Affe oder war es doch ein Vogel, Geburtstag oder Hochzeit und Fabian (der Mann meiner Freundin, der Feuerwerksexperte) kam vorbei und liess ein Feuerwerk in die Luft. Pfff… also wirklich! Aber die „ich vestehe kein Spanisch“-Leute glaubten es doch tatsächlich. Also wie naiv muss man sein. Unverständlich. Und ein Jäger war es sicher auch nicht. Das ganze Tier wäre nur noch Hackfleisch gewesen, wenn er so rumgeballert hätte.

Manchmal denke ich, ich werde langsam paranoid. Als mir aber gestern ein Kolumbianer sagte, weisst Du: „Ihr Europäer denkt, wir Kolumbianer seien paranoid. Wir sind aber nicht paranoid, wir sind einfach nur sehr vorsichtig. Das lernen wir bereits in der Wiege“. Da war ich echt erleichtert. Uff… ich bin nicht paranoid, ich bin einfach nur vorsichtiger und „kolumbianischer“ als viele andere Touristen. Wenn ich so Geschichten höre, von all den anderen Reisenden, dann bin ich froh, bin ich vorsichtig und habe einen sechsten Sinn für Gefahren. Den zwei Belgiern (die auf dem Amazonastrip waren), wurde am ersten Tag ihrer Reise, in Bogotá, all ihre Bankkarten geklaut. Grund, sie hatten alle Karten in der selben Tasche, obschon jedes kolumbianische Kind weiss, dass man Wertsachen am ganzen Körper verteilt. Am Besten im BH, in der Unterhose oder wo auch immer und dann noch einen kleinen Geldbetrag im Hosensack, den man, sollte man trotz aller Sicherheitsvorkehrungen eine Waffe am Kopf oder ein Messer am Hals haben, geben kann, damit der Räuber einem in Ruhe lässt.

Gerade vorgestern hatten mich meine Vorsichtsmassnahmen davor bewart, dass mein Rucksack mit Netbook, iPhone, Kamera usw. innert Sekunden weg war. Es war so. Ich war wieder mal in Bogotá am Flughafen und wollte noch, bevor ich weiter flog am Bankomaten Geld beziehen. Ich stellte also meinen Rucksack zwischen meine Füsse, schlof mit dem einen Bein in den einen Träger und steckte die Karte rein. Als das Geld rauskam, sah ich plötzlich im Augenwinkel einen Typen heranschleichen. Ich kehrte mich um und sah, dass er auf meinen Rucksack zukam. Als er aber bemerkte, dass der nicht einfach so zu entreissen ist, machte er einen Abflug. Hätte ich den Träger nicht um mein Bein gehabt, der Rucksack wäre weg gewesen. Die Typen sind so schnell, da hat man auch keine Chance, wenn man es noch rechtzeitig bemerkt. Ich war so hässig, ich habe dem noch nach geschrien. Was? Dieses Vokabular benutze ich in meinem Blog nicht ;-).

So, jetzt aber wieder zurück zum Amazonastrip. Tag Nummer zwei. Oder einen Moment. Ich brauche mal eine Pause. Mehr zum Thema Taranteln im Zimmer und Schlangen in der Küche könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

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Sieben Monate ohne …

… Lynn (mein Patenkind), meine Familie, meine Freunde, richtig gutes Brot, Butterzopf, Paprika Zweifelchips, Cervelat, Rahmschnitzel, Hörnlisalat, Omelette mit Tomatensauce, Spätzli mit Gruyèrekäse, Älplermaggaroni, Fondue, Salami, Raclette, Luzerner Rahmkäse, Bio Familia Müesli, richtig guter Jogurt, Henniez rot, Rivella blau, Duschen ohne Flip Flops, Elmex und Gillette Venus Rasierklingen im Supermarkt, Schlafen ohne Schlafsack, Kambly Güezi, Fiat 500, Snowboarden, Amaretto trinken mit Nadine, meine Schulfreundin Marianne, meine Kleider, meine Schuhe und meinen besten Freund Philippe.

Es gibt Tage, da vermisse ich diese Dinge sehr. Aber es ist immer noch die Kombination aus Fernweh und Reisefieber, also das Fernfieber eben, dass mich daran hindert zurückzukehren. Ich möchte noch viel mehr sehen von dieser grossen weiten Welt, mehr Kulturen verstehen, mehr Sprachen lernen, mehr Naturwunder auf mich wirken lassen, mehr nette Leute treffen. Reisen macht extrem viel Spass, aber Reisen ist nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen. Reisen ist nicht gleich Ferien. Reisen kann anstrengend sein, Reisen kann gefährlich sein, Reisen kann ein Virus sein, und eines kann es ganz bestimmt, den Horizont erweitern.

Wäre da nicht das liebe Geld! Mein Horizont wäre endlos. Geld regiert die Welt, aber wieso bringt mich meines nicht noch viel weiter um die Welt?? Es gibt sehr viele Leute, die mich fragen: „Woher hast Du das Geld um so lange weg gehen zu können?“ Nun ja, das ist so! Jeder, der nicht nur vom Existenzminimum lebt, hat die Wahl zwischen Sparen und Konsumieren. Sparen geht so, dass man auf gewisse Dinge verzichtet und das Geld auf einer „sicheren“ Schweizerbank anlegt (Sparkonto ist immer noch die sicherste Variante). Aber das mit dem Sparen ist so eine Sache. Es ist nicht einfach zu Sparen und nur Sparen wäre ja auch nicht gut. Denn unsere Wirtschaft funktioniert nicht, wenn nur gespart wird. Aber leider auch nicht, wenn nur konsumiert wird. Nun wie jetzt?  Ich würde meinen, eine Kombination aus Sparen und Konsumieren, wäre nicht schlecht. Wie ich den Volkswirtschaftsunterricht gehasst habe :-)!!! Aber meiner Meinung nach macht eine gute Mischung aus beidem unabhängig und glücklich. Jeder einzelne hat es in der Hand. Brauch ich wirklich einen neuen Fernseher? Müssen es 51 Paar Schuhe sein, oder reichen 40? Brauche ich jede Woche ein Paar neue Hosen oder sieht die von letzter Woche nicht noch gut aus? Nun gut. Ich weiss es ist schwierig, den Werbesprüchen der Marketingabteilungen und Werbeagenturen zu widerstehen (hoffentlich auch ;-), sonst hätte ich ziemlich schlechte Jobaussichten), aber um glücklich zu sein, braucht man nicht alles, was die einem weismachen wollen. Mann braucht keine Ray Ban Sonnenbrille, keine Luis Vuitton Tasche, keinen Pullover von Abercrombie & Fitch und auch keinen Audi R8. Oder doch? Es ist immer eine Frage der Präferenz. Und meine Präferenz liegt nun mal nicht bei der Louis Vuitton Tasche, sondern beim Reisen. Und genau aus diesem Grund, konnte ich es mir leisten, die Welt zu erkunden. Wie lange das Geld noch reicht? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Man wird es sehen. Besser gesagt, ihr werdet mich sehen, wenn ich zu viel „Reisen“ konsumiert habe, dass ich wieder mal ans Sparen denken muss. Denn wie gesagt, nur Konsumieren macht nicht glücklich, nur Sparen auch nicht.

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Von der Hauptstadt in den Dschungel (Bogotá – Leticia)

Ich verliess also gestern die Hauptstadt Bogotá und machte mich auf den Weg Richtung Flughafen um den Flieger nach Leticia zu erwischen. Gerne wäre ich mal wieder Bus gefahren, Leticia, das im äussersten Süden von Kolumbien liegt, ist aber nur per Flugzeug zu erreichen.

Als ich alle meine Sachen zusammen gepackt hatte, verliess ich das Zimmer und traf auf dem Weg zur Reception noch einen alten Bekannten. Aaron, ein Australier, der mit uns auf dem Cuidad Perdida Trek war. Nach einem kurzen Schwätzchen bestellte ich ein Taxi, sass rein und ab gings. Lustig, dass man immer und überall wieder die selben Leute antrifft. Die Welt ist gross, aber manchmal auch sehr klein.

Der Empfang in Leticia, war etwas ruppig. Es schüttelt und rüttelte, so das fast das Flugzeug auseinanderfiel. Aber egal, ich bin gut gelandet. Vom Flugzeug gings zum Gepäckband und von dort zur „Kasse“. Wieder einmal musste man eine „Touristengebühr“ bezahlen. Echt schlimm da. Ich möchte mal wissen wo das ganze Geld hinfliesst. In die touristische Infrastruktur auf jedenfall nicht. Dann bezahle ich eben, geht ja nicht anders. Gut, dann mit dem Taxi zum Hostel, welches ich zuvor über hostelworld.com gebucht hatte. Und siehe da, der Besitzer ist ein Schweizer. Nein, kein Bünzli-Schweizer, eher ein verrücktes Exemplar. 33 Jahre alt und ein Globetrotter schlichthin. Wer mehr über seinen Veloboottrip durch den Amazonas erfahren möchte, hier findet ihr mehr Infos: http://www.hervepuravida.com/. Oder habt ihr das Globetrotter-Magazin abonniert? Dann findet ihr in der letzten Sommerausgabe einen Bericht über Hèrve. Ein lustiger Typ.

Leticia ist ganz ok, ein kleines ruhiges Städtchen, dass so ganz und gar nichts mit der Hauptstadt gemeinsamt hat. Aber eines stört die Leute hier. Der US amerikanische Militärstützpunkt. Niemand weiss, was hinter den vier Mauern vor sich geht. Das Militär sieht man nur bei den Prosituierten, ansonsten halten sich die Gringos innerhalb von ihren vier Wänden auf. Täglich fliegen vollbeladene Flieger Richtung Norden. Ja, Richtung Norden! Sollte es nicht umgekehrt sein?!! Am Anfang gab es Proteste, aber nach dem die protestierenden Leute verschwanden, hatte sich niemand mehr dafür, sich darüber zu äussern. Also ich würde ja auch zu gerne wissen, was mit diesen Flugzeugen Richtung Norden fliegt. Auf jedenfall keine Früchte und kein Gemüse. Wieso ist unsere Welt so extrem korrupt? Wieso haben so wenig einflussreiche Leute ein Interesse daran, etwas daran zu ändern? Wieso gibt es so viel Gewalt und so viele Tote?

Ja, Tote! Heute morgen, als ich das Hostel verliess um mir im Supermarkt etwas zu Trinken zu holen, da lagen zwei Männer auf der Strasse. Überall war Polizei, Ambulanz usw. Es sah aus, wie auf einem Zeitungsbild, das ein paar Drogenkriegstote in Cuidad Juarez (Mexiko) abbildet. Ich dachte mir, ok, einfach vorbei gehen und weg. Der eine Polizist hielt mich aber auf und schickte mich zurück zum Hostel. Es lief mir kalt den Rücken runter. Was geht den hier ab? Es liess mich nicht los und ich fragte den nächsten Polizisten, an dem ich vorbei kam, was den hier los ist. Eine Übung hiess es! Mann!!!! Wie könnt ihr mir am morgen früh so einen Schrecken einjagen! Die eine Hostelmitarbeiterin meinte dann nur, dass sowas aber schon ab und zu vorkomme, aber es betreffe die Zivilbevölkerung nie. Gut, dann kann ich ja beruhigt sein. Also, so eine Übung mitten auf der Strasse habe ich von der Schweizer Polizei noch nie gesehen :-). Willkommen in Kolumbien, Alexandra!

Morgen geht es für drei Tage in den Dschungel. Mit dem Boot den Amazonas entlang. Ich freue mich sehr und melde mich wieder, sobald ich wieder zurück bin. In dieser Zeit wünsche ich: weniger Tote, weniger Korruption und weniger Hunger.

Ach ja und noch was: Liebe Touristen in Kolumbien! Kommt doch bitte nicht hier her um Drogen zu konsumieren. Auf der einen Seite wollt ihr ein sicheres Kolumbien, das ihr einfach und unbekümmert bereisen könnt und auf der anderen Seite konsumiert ihr die Drogen, die zu mehr Kriminalität und Gewalt führen. Irgendwas geht nicht ganz auf!!!!

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